Therapieschuhe für Diabetiker können Operationen vorbeugen

Über fünf Millionen Deutsche „haben Zucker“, etwa 6,5 Prozent der Bevölkerung leiden also an Diabetes mellitus. Tendenz steigend. Dabei kann die Krankheit, die mit zunehmendem Alter häufiger auftritt, nicht nur die Nierenfunktion beeinträchtigen und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen, sie hat häufig auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Nerven und die Blutgefäße, welche die Beine versorgen. Die Folge: der diabetische Fuß.

Schlechte Durchblutung, geschädigte Nerven – nicht selten klagen Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, über taube Füße. Die wiederum bergen große Risiken in sich, denn kleine Verletzungen bleiben oft unbemerkt, infolge der schlechten Durchblutung können sich daraus Infektionen und sogar offene, schwere diabetischen Fußgeschwüre entwickeln. Dies gilt insbesondere bei zu engem Schuhwerk, das schnell zu Druckstellen und Wunden führen kann.

Im schlimmsten Fall droht eine Amputation. Dabei könnte nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO die Hälfte aller Amputationen durch rechtzeitige Versorgung vermieden werden. Was heißt: Diabetiker sollten beim Schuhkauf einige Punkte beachten – und zwar auch dann, wenn ihre Füße noch nicht geschädigt sind:

Um dem Krankheitsverlauf vorzubeugen, empfiehlt es sich, beim Schuhkauf einige Dinge zu beachten, so dass der diabetische Fuß individuell und optimal versorgt wird.

So sollte man sich beim Orthopädieschuhtechniker vor Ort informieren, ob und wenn ja, welche orthopädischen Hilfsmittel und Therapieschuhe erstattet werden. Er erstellt dann einen individuellen Kostenvoranschlag. Ein Tipp: Diabetestherapieschuhe haben bei Modellen, die von Kostenträgern übernommen werden, bereits eine Hilfsmittelnummer.

Eine Checkliste für den Schuhkauf:

  • Ein breiter Vorfußbereich gibt dem diabetischen Fuß ausreichend Freiraum und verringert dadurch den seitlichen Druck auf die Fußkanten. Genügend Raum für die Zehen in Länge und Höhe sind nötig, ebenso eine ausreichende Breite.
  • Da ihre Füße besonders verletzungsanfällig sind, sollten Diabetiker unbedingt Schuhe aus weichem Leder, ohne drückende Innennähte und mit gepolsterten Laschen tragen. Das beugt Druckstellen und offene Wunden vor. Zu achten ist auch auf bedarfsgerechtes Innenfutter (atmungsaktiv, waschbar und hautfreundlich), das geeignet zum Desinfizieren ist und nicht beim eventuellen Kontakt mit Wundsekret verhärtet.
  • Flache, stoßdämpfende Absätze mindern die Kräfte, die beim Auftreten auf den Vorfuß wirken. Gleichzeitig sorgen sie für einen guten Fersenhalt.
  • Diabetiker sollten ihre Schuhe so groß kaufen, dass der Innenraum noch Platz für spezielle Diabetes-Einlagen bietet. Sie betten den Fuß weich und entlasten die Fußsohle. Es gibt für bei den meisten Herstellern Längen- und Weitentabellen mit entsprechenden Messgeräten. Die Versorgung mit diabetes-adaptierten Fußbettungen macht meist, wegen des höheren Platzbedarfs, eine Ausstattung mit Therapieschuhen, die kurze oder keine Vorkappen haben, notwendig.
  • Die Schuhsohle sollte nachträglich veränderbar sein. Der Orthopädie-Schuhmachermeister kann dann bei Bedarf orthopädische Schuhzurichtungen wie Abrollsohlen (Ballen-Mittelfuß-Zehenrolle), Schmetterlingsrolle mit/ohne Weichbettung der MTK, Sohlenversteifung, Beinlängenausgleich, Klettverschlüsse oder Schaftpolsterung anbringen. Sie verringern die Kräfte, die beim Auftreten auf die Fußsohle wirken

Sollte der Fuß durch den Diabetes so stark verformt sein, dass herkömmliche Schuhe Beschwerden hervorrufen oder nicht mehr passen, empfiehlt es sich, im Orthopädie-Fachgeschäft individuelle Maßschuhe anfertigen zu lassen! Auch hier ist mit einer Facharztverordnung und einem Kostenvoranschlag durch den Orthopädieschuhtechniker eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse möglich.

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